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Aus der Geschichte der Gemeinde bis 1945

Die Gemeinde Bystřička liegt im Kreis Vsetín, und zwar am gleichnamigen Zufluss des Flusses Vsetínská Bečva. Die Gemeinde wurde vor allem wegen ihrer Talsperre bekannt, die in den Jahren 1908–1912 errichtet wurde. Bis dahin war es ein unauffälliges Dorf, das Teil des ehemaligen Wsetiner Herrengutes gewesen ist. Von daher mag es verständlich sein, dass die überlieferten Auskunftsquellen über die Geschichte der Gemeinde eher inhaltsarm sind. Das gleiche gilt für die fachliche Literatur, die die Gemeinde Bystřička nur im Zusammenhang mit der Talsperre oder beiläufig im Rahmen von völkerkundlichen Nachforschungen erwähnte. Hier einige der herausgegebenen Publikationen: die Broschüre Vsetínský zámek. Jeho historie a současnost. (1988) und Růžďka (1998) des Wsetiner Historikers und Direktoren des Staatlichen Bezirksarchivs in Vsetín PhDr. Ladislav Baletka, die Broschüre Příběh obyvatel vsi Růžďky (2004) von Mgr. Martin Žamboch, die dem benachbarten Dorf Růžďka gewidmet wurde, von dem sich Bystřička in der Hälfte des 17. Jahrhunderts trennte. Über die Gemeinde Bystřička berichten u.a. die allgemeinen Sammelpublikationen Okres Vsetínský (1938) und Okres Vsetín (2002). Mehreres erfahren wir aus nicht veröffentlichen Arbeiten, die sich im Wsetiner Archiv befinden, und zwar aus der tschechischen Übersetzung der Chronik Fernandova kronika und aus beiden Chroniken der Gemeinde Bystřička (Gemeinde- und Schulchronik). Erwähnen sollte man auch die Auszüge aus der Geschichte der Gemeinde (von den Historikern Kobliha und Válek). Man sollte sich jedoch bewusst werden, dass Bystřička bis 1848 Teil des Wsetiner Großgrundbesitzes gewesen ist. Unterlagen über den Großgrundbesitz befinden sich im Landesarchiv in Opava (mit Ausnahme des Urbars des Herrengutes, der sich im Mährischen Landesarchiv in Brno befindet). Die Tätigkeit des Herrengutes wurde in zahlreichen Unterlagen festgehalten, so z.B. in der wichtigsten Auskunftsquelle Narovnání všech dědin Panství Vsetínského dne 25. června 1700, die sich mit Rechten und Pflichten von Hörigen befasst und das Ergebnis der Verhandlungen zwischen Hörigen und der Obrigkeit beschreibt - Hörigen ist es gelungen für kurze Zeit ihre Bürde zu vermindern.

Das heutige Gebiet der Gemeinde Bystřička wurde überraschenderweise bereits im Altertum und Mittelalter besiedelt, obgleich es keine kontinuierliche Besiedlung gewesen ist. Auf dem Gipfel Klenov, der über das Tal des heutigen Stausees aufragt, wurden ein Schutzwall und keramische Überreste aus dem ersten Jahrtausend vor Christi entdeckt; es handelte sich um eine der vielen Siedlungen der Lausitzer Kultur, die in der Umgebung von Vsetín nichts ungewöhnliches waren. Dasselbe gilt für die Angehörigen der Puchauer Kultur, die Klenov im ersten Jahrtausend n. Ch. besiedelten. Die urzeitliche Besiedelung dieser Lokalität beweisen Sammlungen von Ladislav Štěpánek aus den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts. Hier enden sämtliche Berichte über eine mögliche Besiedelung – das ändert sich mit der sog. großen Kolonisierung. Auf dem Gipfel von Klenov (bis heute Zámčisko genannt), wurde ein befestigtes Objekt – eine Festung - errichtet. Ihre Gestalt kann nur mühsam wiedergegeben werden, da ein Teil des Felsenblockes im 19. Jahrhundert ins Tal gestürzt ist. Man davon aus, dass diese Festung ein Teil der Burg Freundsberg gewesen ist (uns bekannt seit 1308), die damals, zusammen mit dem Wsetiner Herrengut, den Tempelrittern gehörte. Zu den einzigen Beweisen für die Existenz der Burg gehören Einkerbungen zur Verankerung von Balken und Gründungsrinnen zur Einbettung des unteren Ringankers des Blockbaus. Ähnliche Bauwerke sind auch auf anderen Felsblöcken in der Umgebung zu sichten.

Einen ausführlicheren Bericht über die Burg Freundsberg (auch Vreuntspergk genannt) liefert die Publikation von Jiří Kohoutek - Hrady jihovýchodní Moravy, aus der wir Informationen geschöpft und Bilder der voraussichtlichen Gestalt und des Standortes der Burg übernommen haben. Eine andere Gestalt ist dem Internet-Server Hrady.cz zu entnehmen (ebenfalls übernommen).

Anhand von archäologischen Forschungen auf dem Felsenblock „Havránka“ vermutet man die Existenz eines turmartigen Objektes und eines Festungswerkes. Die Burg war Teil der Gruppe der sog. „Felsenburgen“, ähnlich wie die Burg auf dem Pultschiner Felsen. Beide Burgen wurden zum Schutz auf Sandsteinfelsen errichtet.

Die Existenz von Freundsberg belegen keine schriftliche Auskunftsquellen, es gibt lediglich zwei indirekt zusammenhängende Berichte aus dem Ende des 13. und zu Beginn des 14. Jahrhunderts. Die Urkunde aus dem Jahr 1297 berichtet darüber, dass Protiva z Doubravice ein nicht näher spezifiziertes Landgut, das sich auf beiden Ufern des Flusses Bečvy („Beyc“) erstreckte und vom König erworben wurde, dem Tempermeister Ekko schenkte. Wichtiger und interessanter ist die zweite Urkunde aus dem Jahre 1308, mit der Vok z Kravař bestätigt, dass ihm der Templermeister Ekko die Ortschaft Vsetín samt Burg Freundsberk für die Dauer von 31 Jahren zu vermieten mochte. Nachdem der Templerorden aufgelöst wurde, begann die Burg zu verkommen. Man bemühte sich auf dem Gebirge Klenov eine Siedlung zu gründen, was jedoch ohne Erfolg geblieben ist. Wir wissen nicht einmal, wann genau die Burg definitiv zugrunde ging. Man konnte lediglich einen zerstörerischen Brand nachweisen. Im Rahmen einer archäologischen Forschung konnten Keramikstücke und Pfeilspitzen für Armbrüste sichergestellt werden. Dank neuester Entdeckungen vermutet man jedoch, dass die menschliche Aktivität in dieser Lokalität weiterhin vorhanden war.

Womöglich hatte auch das vorherige Ereignis einen Einfluss darauf, dass Klenov zum sagenumwobensten Ort in der Region Vsetín wurde. Einige Volkssagen erfasste der Autor Jan Kobzáň in seinem Buch O zbojníkoch a o pokladoch. Der Hügel (678 m ü. M.), dessen Teil ein massiver Sandsteinfelsen ist, gehört zur Dominante in der Umgebung.

Mit der Geschichte der Gemeinde Bystřička ist u.a. die Existenz der Dörfer Svojanov und Konvice verknüpft. Beide Dörfer wurden im 14. Jahrhundert gegründet, etwa zur derselben Zeit wurde auch die Gemeinde Růžďka gegründet, die erstmals 1505 erwähnt wurde. Svojanov erstreckte sich dort, wo sich heute der Zugbahnhof Bystřička und der Bahnübergang u Baslů befinden. Das Dorf erlisch vor 1500. Das Dorf Konvice, das nicht zum Wsetiner Herrengut gehörte erstreckte sich auf dem rechten Ufer des Flusses Bystřička (womöglich an der Stelle, die bis heute „Na Konvici“ genannt wird) und wurde etwa zur derselben Zeit Opfer einer der vielen Wasserfluten, die der Fluss bis zum Bau des Stausees verursachte – und eigentlich auch danach, wie sich abermalig im Jahre 1997 zeigte.

Bystřička war bis 1848 Teil des Wsetiner Großgrundbesitzes und als solcher auch verwaltet. Es handelte sich um keinen besonders gewinnbringenden Teil des Herrengutes, der ursprünglich nicht einmal als eigenständige Gemeinde betrachtet wurde. Die Gemeinde wurde erst in der Hälfte des 17. Jahrhunderts gegründet, nachdem mehrere Anwesen von Růžďka, der viertgrößten Gemeinde des Herrengutes, getrennt wurden. Růžďka erlebte in dieser Zeit ein großes Wachstum, dass nach der sog. Holzschlagkolonisierung folgte. Die erste Erwähnung über die Gemeinde ist der Wsetiner Matrikel aus dem Jahr 1647 zu entnehmen („Bystřička pod Roušťkou“), beim Verkauf des Herrengutes wurde diese als „wes nowá Bystržička“ bezeichnet. Noch lange danach war es kein eigenständiges Dorf, das lt. Urbar aus dem Jahre 1657 und einer Beschreibung des Herrengutes vom 1666, als ein gewisses Unterkapitel von Růžďka beschrieben wird. In dem oben angeführten Dokument „Narovnání“ wird Bystřička nicht einmal erwähnt, im Vertrag über eine weitere Regelung der Hörigenpflichten (1775) steht „Bystřička‑Růžďka“; noch davor, im Jahre 1750, wurde in einem Dokument des Wsetiner Herrengutes die Gemeinde separat erwähnt.

Von der ursprünglichen Beziehung zwischen den Dörfern deuten Katasternummern aus dem Jahre 1666 - Bystřička wurden die Nummer 17.-25. und Růžďka die Nummern 1.–16. und 26.–40. zugewiesen. Im Jahre 1666 hatte Bystřička etwa 112 Einwohner und Růžďka 275. Ein weiterer Vergleich war im Jahre 1834 möglich: Bystřička hatte 37 Häuser und 280 Einwohner, Růžďka 200 Häuser und 1431 Einwohner. Im Jahre 1657 zahlten 22 Grundstücke und 12 Hintersassengüter in Růžďka der Obrigkeit an regelmäßigen Löhnen mehr als 250 Goldmünzen - 9 Hintersassen und 4 Häusler in Bystřička zahlten der Obrigkeit knapp 84 Goldmünzen. Was die kirchliche Verwaltung betrifft, ist Bystřička stets ein Teil von Růžďka gewesen und ist heute noch ein Teil der dortigen katholischen Pfarrgemeinde bzw. des evangelischen Chors. Als eigenständige Gemeinde wird Bystřička erstmals in den Steuervorlagen aus dem Jahre 1787 erwähnt.

Das Land auf dem Wsetiner Herrengut wurde auf Bauern-, Rustikal, Herrschafts- und Dominikalland aufgeteilt. Ursprünglich zählte man in Bystřička 9 Hintersassengüter und 4 Bauernhäuser, jeweils ohne Grundbesitz. Häusler wurden nicht katastriert. Hintersassen mussten 104 Tage jährlich (2 Tage wöchentlich) Pflichtarbeit ausüben, Häusler nur 12 Tage. In allen Fällen handelte es sich um Pflichtarbeit, die zu Fuß ausgeübt werden musste. „Fahrende“ Arbeiten waren nur für Landwirten bestimmt, die Einwohner von Bystřička übten sie nicht aus. Schwer zu sagen, was sich in dieser Hinsicht im Jahre 1775 änderte, nachdem die Einwohner von Bystřička und Růžďka Verhandlungen mit der Obrigkeit führten und bessere Bedingungen für sich aushandelten (nach Unruhen im Jahre 1773). Demnach hatten auch Hintersassen die Pflicht sog. zweispännige Pflichtarbeit für 12 Tage jährlich und weitere 6 Tage Pflichtarbeit zu Fuß auszuüben; Häusler mussten 12 Tage Pflichtarbeit zu Fuß leisten. Laut eines Berichtes aus dem Jahre 1784 mussten beide Gemeinden zusammen 364 Tage Zieharbeit und 4 895 Tage Fußarbeit ausüben, woraus sich ergeben würde, dass nur Landwirten (in Růžďka zählte man 22 Landwirten und jeder war nach einem Vertrag aus dem Jahre 1775 zu 16 Tagen fahrender Pflichtarbeit verpflichtet) und ein Hintersasse gefahren sind. Man konnte jedoch anstatt der Pflichtarbeit andere Arbeiten oder Sonderdienste ausüben und von der Pflichtarbeit abrechnen. So zum Beispiel konnte ein Förster 52 Tage von der Pflichtarbeit abrechnen (von insgesamt 104 Tagen), auf der anderen Seite musste er der Obrigkeit innerhalb 1 Jahres 1 Wolf, 1 Fuchs, 2 Marder, 8 Kaninchen, 6 Haselhühner, 30 Krammetsvögel, 10 Rebhühner und 100 kleine Vögel aushändigen (Narovnání aus dem Jahr 1700, Punkt XXVII.). Von der Pflichtarbeit sollte auch jede über den Rahmen der im Jahre 1700 festgelegten Pflichten hinausgehende Tätigkeit abgerechnet werden. Seit 1775 sollten Ansässige aus Růžďka und Bystřička für die Obrigkeit gewisse Getreidemengen aus einem Umkreis von 5 Meilen besorgen, Felder bearbeiten, Heu auf dem Hof des Herrengutes trocknen und Holzstämme zur Reparatur des Wasserwerkes auf dem Fluss Bečva anschaffen. Weiter sollte jeder Hintersasse einen halben Klafter Brennholz jährlich vorbereiten (seit 1775 musste man das Brennholz vor Ort anliefern), 4 Meilen Postarbeit leisten (ist man weiter gegangen, wurde dies von der Pflichtarbeit abgerechnet und mit 3 Kreuzern pro Meile entlohnt) und 6 Elle Spinngewebe vom Landherren spinnen - Häusler mussten 4 Elle Spinngewebe spinnen (die Übergabe des Spinngewebes und die Abgabe des Garns beaufsichtigte ein Dorfrichter). Darüber hinaus mussten Hörige den Sommer über herrschaftliches Vieh weiden, von der winterlichen Pflicht Futter herbeizuschaffen wurden sie jedoch 1700 befreit – so auch von der Pflicht der Heuanlieferung. Was jedoch geblieben ist, war die Anlieferung von Kümmel, Pilzen und Nüssen (falls es Ernte gab). Besondere Pflichten hatten z.B. Eisenschmiede, von denen jeder einzelne jährlich 3 Haufen Plattennagel und 1000 Schindelnagel herstellen musste. Dachschindeln lieferten Hörige, jedes Hintersassengut hatte 500 Schindeln auszuhändigen.

Wichtig zu erwähnen ist, dass die Pflichten der Hintersassen an ein bestimmtes Hintersassengut gebunden waren (eins von den 40 obigen genannten). Ein Hintersassengut in der Gemeinde Bystřička war oftmals Eigentum 2 – 4 Ansässigen, die jeweils abhängig von der Größe ihres Besitzes (1/2 oder nur 1/6) die Pflichtarbeiten untereinander aufteilten. Zwischen diesen Teilhabern, die sich oft wechselten und nur wenige von ihnen Erbfolger der Vorbesitzer waren, kam es häufig zu Streitigkeiten. Ein Problem lag u.a. darin, dass Steuern und Hintersassenabgaben derjenige zahlte, der als erster im Grundstückblatt angeführt worden war und von den Nachbarn anschließend Ersatz einforderte. Häufiger zankte man sich wegen der Aufteilung des zu bewirtschaftenden Grundbesitzes. Ackerland konnte mechanisch getrennt werden, etwas komplizierter war das aber bei Wiesen und Weideplätzen, die unterschiedliche Qualität aufwiesen. Die Obrigkeit kümmerte sich um diese Angelegenheiten nur wenig, es hing lediglich von den Mitinhabern ab, wie sie diese einigten – was oftmals ohne Landmesser und Vermerke erledigt wurde, sodass man sich im Nachhinein nur schwer erinnern konnte, was genau vereinbart wurde. Die später entstandene Vorstellung von Walachen als Menschen, die Anwälten viel Geld gegeben hatten, konnte auf diese Streitigkeiten zurückzuführen sein. Der Gerechtigkeit halber tauschte man die Parzellen nach ein oder zwei Jahren untereinander aus – sodass keiner einwenden konnte, dass er das schlimmere Grundstück bekam. Aber dies konnte auch dazu führen, dass sich der Hauswirt nicht um die Steigerung des Ertrages kümmerte, da er im kommenden Jahr ein Stück weiter wirtschaften sollte. Der Grundstückbesitz wurde in weitere kleine Stücke aufgeteilt, sodass man 1842 36 Hintersassen, 9 Häusler und 1 Hofer zählte.

Neben den Pflichtarbeiten freute sich die Obrigkeit über weitere Privilegien, denn sie hatte ein Vorkaufsrecht auf Fleisch, Fett und Wachs, jedoch ohne Rabatt; hatte die Obrigkeit kein Interesse am Kauf, konnten Hörige diese Ware einen beliebigen Menschen verkaufen. Gleichzeitig mussten Hörige Produkte zu einem bestimmten Preis beziehen, hierbei handelte es sich vor allem um alkoholische Getränke und Schafskäse. Verbindlich war auch die Abnahme von Buchnüssen und Eichelfrüchten (für das Vieh).

Interessant war das Verhältnis zwischen der Obrigkeit und Besitzern von „Sägemühlen“. Die Obrigkeit hielt alljährlich für einzelne „Mühlen“ bestimmte Mengen an verarbeitetem Holz frei, um unnötigen Konkurrenzkämpfen vorzubeugen. Sobald es an Arbeit mangelte oder das Sägewerk verkam, versprach die Obrigkeit den Besitzern eine Herabsetzung oder gar Verzeihung der Miete. Was die Gemeinde Bystřička betrifft, werden im Urbar (1657) keine Mühlen angeführt – anders als bei Růžďka, die 8 Mühlen besaß (obgleich 3 von ihnen anhand der Lokation und des Besitzernamens vielmehr zur Bystřička gehörten – davon 2 Sägemühlen und 1 Mehlmühle).

Die Obrigkeit verhielt sich Hörigen gegenüber auch gnädig und ließ sie vor allem Holz zum Heizen sammeln (in herrschaftlichen Wäldern). Das Holz war aber nur für den eigenen Bedarf bestimmt; der Verkauf von Holz war verboten und eine Nichtbefolgung dieses Verbotes konnte mit einer Geldstrafe bestraft werden. Weiter konnte man Blätter für Schafe (anstatt von Stroh) und Tannensprossen im Winter sammeln. Umsonst wurde auch Bauholz zur Verfügung gestellt, man musste sich jedoch melden und um Erlaubnis bitten.

Ähnlich ging es bei der Herstellung von Schindeln ab – auch diese waren nur für den eigenen Bedarf bestimmt; man tolerierte jedoch, falls ein Hörige, sollte dieser nicht besonders geschickt gewesen sein, diese Arbeit seinem Nachbarn überließ. Darüber hinaus hatten Hörige Anspruch auf Zuweisung von Salz, das direkt auf dem Schloss verteilt wurde.

Was den Lohn betrifft, wurde dieser an folgenden Feiertagen ausgezahlt: St. Georg, St. Wenzel, St. Johanna und an Weihnachten. Neben diesen regelmäßigen Löhnen (Miete, Verkauf von Vieh, Pflichtarbeit), mussten Hörige für Wiesen, Weiden und Acker zahlen – was den größten Betrag darstellte. Weiter wurde die Haferernte und die Bienen- und Viehzucht besteuert (man konnte aber in Naturalien zahlen). Überdies musste man eine bestimmte Anzahl von Eiern, Gänsen und Hühnern abgeben. Die Mengen wurden jedoch oft geändert, da die Abgaben für Hörige zu hoch gewesen sind und nicht eingehalten wurden. Das Dorf war sehr arm und hatte ursprünglich 9 Hintersassengüter und einige Bauernhäuser. Bis 1848 war das Dorf Teil des Wsetiner Großherrenhofes, so auch Růžďka.

Obgleich Bystřička schon selbstständig war, blieb sie noch lange mit Růžďka verbunden. Der Zugbahnhof in Bystřička hieß bis 1946 Růžďka – so auch die Post, die ihren Namen weitere 13 Jahre behielt. Was die kirchliche Verwaltung betrifft, ist Bystřička bis heute ein Teil von Růžďka geblieben.

Eine wichtige Änderung, die das Leben in der Gemeinde wesentlich änderte und ihre Gestalt bis heute kennzeichnete, begann ereignete sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nachdem in den Jahren 1907 – 1912 die Talsperre errichtet wurde. Der Staubecken, der ursprünglich zur Versorgung des Kanals Dunaj – Odra – Labe dienen sollte – mit dem man noch in den 30er Jahren rechnete – wurde Zeuge einer stets wachsenden Besucherzahl (s. eigenständiges Kapitel).

Im Jahr 1921 zählte das Dorf 73 Häuser und 482 Einwohner, im Jahr 1930 waren es schon 87 Häuser und 525 Einwohner. Im Jahr 1924 werden folgende Gewerbe registriert: 5 Wirtshäuser (davon 1 Wirtshaus mit Tabakladen und Geschäft), ein Schmied, ein Tischler, ein Maurer, ein Fleischer, ein Mäher, ein Hausschuhersteller, drei Kleidmacher, zwei Schneiderinnen, zwei Zimmermänner, zwei Tabakläden, zwei Schubkarren, eine Dampfsäge und eine Wassersäge. Ein überwiegender Teil der ökonomisch aktiven Einwohner stellten Kleinbauer dar (im Jahre 1925 waren es insgesamt 92 Ackerlandeigentümer), davon mehr als eine Hälfte bewirtschaftete weniger als 1 Hektar; wobei drei der größten Eigentümer zusammen beinahe 80 ha bewirtschafteten (1925). Man baute vor allem Weizen an und züchtete Kühe. Ein eigenes Kapitel stellten Kartoffeln dar, die jeder selbst anzubauen versuchte. Abseits der Grenze der Gemeinde wurden vor allem Äpfel ausgeliefert, die Abdeckung des eigenen Marktes machte den hiesigen Landwirten jedoch zu schaffen. Mehrere zehn Personen arbeiteten als Lohnarbeiter, wobei die genaue Zahl nicht festgestellt werden konnte. Wurden sie nicht im Baťa-Sägebetrieb oder als Reparateure der Gemeindestraße oder des Stausees (oft mit Staatzuschuss) eingestellt, arbeiteten sie am Bau der Eisenbahn, in Wallachisch-Meseritsch Betrieb zur Herstellung von Hüten oder fuhren nach Ostrava oder Frýdek (für eine ganze Arbeitswoche). Beliebt waren u.a. sämtliche Nebeneinkommen (Pilzsammlung oder das Schneiden von Kaninchenfüßen). Traditionell waren Saisonarbeiten in der Region Hanácko, wo Männer und Frauen (vor allem etwas jüngere) bei landwirtschaftlichen Arbeiten ausgeholfen haben; man zahlte dort besser als zu Hause und für Unterkunft und Verpflegung wurde auch gesorgt.

Die Einwohner von Bystřička errichteten niemals ihre eigene Kirche, bauten jedoch eine Schule. Als Schule diente zunächst ein Raum im Bauernhaus eines Gemeindebürgers, da die Anzahl der Kinder Ende 19. Jahrhunderts nahezu 100 erreichte, musste man einen würdevolleren Ort finden. Daher wurde 1884 ein bis heute dienendes Gebäude errichtet. Der erste Lehrer war Maxmilián Pilát, tschechischer und tschechoslowakischer Politiker und Abgeordnete der Revolutionären Volksversammlung, der aus der Gemeinde Heršpice im Jahre 1886 gekommen ist. Er unterrichtete an der Schule bis 1892 und ist dann mit seiner Familie nach Liptál umgezogen, wo er weiterhin als Lehrer arbeitete. In den Jahren 1910–1912 wurde die Schule Zeuge einer umfangreichen Rekonstruktion, die dem Einheimischen Jan Rous zu verdanken war, welcher dieses Vorhaben trotz Widerstand des katholischen Pfarrers in Růžďka und des ehemaligen Bürgermeisters durchsetzen konnte. Das Schulgebäude gehörte zu den repräsentativsten in der Umgebung. Noch vor kurzem unterrichtete man hier Kinder aus Bystřička (die ersten 5 Jahrgänge). Heute hat die Schule eine Turnhalle, eine Kantine und ein Klubzimmer und ist Teil der Grundschule in Růžďka. Die Schule besuchen die ersten zwei Jahrgänge aus Bystřička und Růžďka, die älteren fahren nach Růžďka.

Die kostenaufwendigen Umbauarbeiten des Schulgebäudes milderte zum Teil der Bau der Talsperre, die der Gemeinde gewisse Steuervergünstigungen brachte. Die Arbeiten an der Talsperre fanden in den Jahren 1908 – 1912 statt. Zur Hilfe holte man Arbeiter aus Österreich, Deutschland, Italien und Frankreich, die zeitweilig die Einwohnerzahl der Gemeinde stiegen ließen. Ursprünglich wurde die Talsperre als ein kleineres Becken geplant, in dem Wasser zur Versorgung des Schifffahrtskanals Dunaj – Odra - Labe angestaut werden sollte (den Kanal plante man noch im Jahre 1939), als in Bystřička Forschungsarbeiten bzgl. eines weiteren geplanten Sperrwerks stattfanden; dieses Sperrwerk wurde jedoch nie errichtet, da der Untergrund nicht geeignet gewesen ist – daraufhin scheiterten auch die Pläne für den Bau des Schifffahrtskanals. Diskussionen über seine mögliche Realisierung wurden dennoch weitere Jahrzehnte geführt. Das ursprüngliche Projekt hinterließ in Bystřička ein Wasserwerk, das zum Schutz vor Hochwasser dient und aus der ursprünglich landwirtschaftlichen Gemeinde einen berühmten Erholungsort machte. Die Beliebtheit der Stausperre wuchs vor allem in den 30er Jahren. Der Touristenverkehr brachte neue Erwerbsperspektiven mit sich (Unterkunft und Verpflegung). Etwas überraschend für die konservativen Einheimischen waren fremde und „unmoralische“ Elemente wie z.B. Tramps. Die Entwicklung des Touristenverkehrs verlangsamten u.a. unzureichende hygienische Bedingungen innerhalb der Gemeinde, fehlende Verkehrswege (eine Asphaltstraße wurde erst nach dem II. Weltkrieg errichtet) und der langsame Elektrifizierungsvorgang (die Elektrifizierung wurde ebenfalls nach 1945 vollendet), der vor allem auf die starke Dezentralisierung zurückzuführen war, da sich die Gemeinde aus zwei Teilen zusammensetzte.

Während der Ära der Ersten Tschechoslowakischen Republik wurde eine Bibliothek und die Freiwillige Feuerwehr gegründet, was aus eigenen Geldquellen finanziert wurde. Es war die Zeit der ersten Benzinmotoren (in der Landwirtschaft) und der ersten Radioempfänger. Großer Beliebtheit erfreuten sich Fahrräder. Man begann massenhaft Ziegel (Neubauten), Dachtaschen und sonstiges Dachdeckmaterial, die traditionelle Dachschindeln ersetzten, zu benutzen. Man errichtete schwerkraftgetriebene Wasserleitungen.